KulturKontakte-Werkstattgespräch
am 8. Oktober 2008 auf dem Springhornhof Neuenkirchen






Presse

"Die Kultur prägt eine gesamte Region"

Kultur-Tourismus bietet für den gesamten Wirtschaftsstandort positive Zukunftsperspektiven

Wer im touristischen Bereich auf der Überholspur fahren will, muss mit seinen Angeboten verstärkt auf die Generation der über 50-Jährigen setzen. Die haben Geld, sind bereit, es auch auszugeben für qualitativ hochwertige Angebote. Professor Edgar Kreilkamp von der Universität Lüneburg wurde Mittwochabend noch konkreter: Wellness/Gesundheit, Naturerlebnis und Städte-Kulturreisen sind die Themen, mit denen man die Zielgruppe derjenigen, "die schon ein bisschen älter sind" locken kann. Und dem Thema Kultur kommt dabei eine ganz entscheidende Rolle zu.

Neuenkirchen (es). Professor Hans-Jürgen Küster von der Leibnitz-Universität Hannover hat Grund zur Klage. Er ist einer der Teilnehmer an der Podiumsdiskussion, die sich mit dem Thema befassen soll, welche Zukunftsperspektiven Kultur und Tourismus für den ländlichen Raum bieten. Ein Hinweisschild auf den Soltauer Heide-Park habe er in Neuenkirchen gefunden, eines zur Galerie "Springhornhof" vergeblich gesucht. Die Pizzeria gegenüber habe zu gehabt. Die Suche nach einem Café mit heidetypischer Buchweizentorte sei ebenfalls erfolglos gewesen. "Die hatten auch zu" sagt der Professor, der auch Präsident des Niedersächsischen Heimatbundes ist. Er macht seine Erfahrungen zum generellen Thema: Angebote gebe es genug, doch sie seien nicht miteinander vernetzt. Der Tourist werde hilflos allein gelassen. Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide Tourismus GmbH, weiß, was die Folgen sind: Ein Drittel der Gäste ist so unzufrieden, dass sie nie wieder kommen.

Professor Kreilkamp ist bundesweit anerkannter Fachmann in Sachen Tourismus-Management. Er hat gerade Konzepte für den Kultursommer auf Usedom entwickelt. Gleiche Projekte sind für Brandenburg und Baden-Württemberg in Arbeit, für Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern abgeschlossen. Das Thema Kultur-Tourismus nehme unwahrscheinlich Fahrt auf, sagt der Tourismus-Experte und erinnert daran, dass der gesamte Tourismus einst aus Kultur(reisen) entstanden sei. "Kultur zieht Tourismus an" verweist Kreilkamp auf die enormen Steigerungsraten bei Städtereisen, "auch wenn Sie im ländlichen Raum natürlich nicht mit den städtischen Angeboten mithalten können."

Doch der Wissenschaftler macht auch den Verantwortlichen auf dem "platten Land" Mut. Kultur sei vielschichtig, reiche von klassischen Konzerten bis zu Ess- und Vereinskultur. Allerdings dürfe es nicht beim bisherigen "Sammelsurium" bleiben. "Keiner traut sich, besondere Angebote herauszustellen und nicht alles anzubieten. Und wer immer noch keine Internetseite hat, sollte gleich aufhören."

Professor Kreilkamp kritisiert die mangelnde Zusammenarbeit zwischen den Orten, den Regionen, aber auch zwischen Tourismus und Kultur. Und er weist auf einen wesentlichen Aspekt hin: Kultur präge den Raum. Ohne Kultur und Tourismus könne kein Profil für einen Wirtschaftsstandort aufgebaut werden. Wirtschaft brauche beides, weil sie sonst auf die besten und kreativsten Mitarbeiter verzichten müsse. Für die sei die Kombination aus Kultur und Tourismus nämlich ein ausschlaggebender Grund für die Wohnortwahl.

Friedrich-Otto Ripke, Staatssekretär im Ministerium für den ländlichen Raum, betont, dass das Land keine Vorrangstandorte für Kultur ausweisen könne. Es gelte, vor Ort in den Regionen vorhandene Angebote zu bündeln und zu vermarkten. Möglichkeiten gebe es reichlich. "Da kann man auch den neuen Jade-Weser-Hafen mit den ostfriesischen Milchhäusern zur Kulturroute verbinden", so Ripke.

Walsroder Zeitung vom 10.10.2008

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